Paukenschlag bei NORDSEE

von Stefan Schneider
- Berater, Netzwerker, Moderator, Autor -

Der 1. August 2018 brachte nicht nur die ein oder andere gesetzliche Änderung mit sich, sondern sorgte auch in der CRM-Welt für Aufsehen: Kaum hatte sich der erste Kundenclub in der Handelsgastro mit dem Fish&Friends Programm von NORDSEE etabliert, stellt die NORDSEE-Geschäftsführung alle Ampeln auf Rot und verfügt die Einstellung des Clubprogramms. 

Unmittelbare Nutznießer dieses abrupten Schwenks sind nicht die Kunden (jedenfalls nicht die, die sich bei Fish&Friends angemeldet haben und in Kürze wieder ohne den Kundenclub auskommen müssen), sondern PAYBACK und die dort bereits versammelten rund 30 Millionen Teilnehmer, denn ab sofort sammelt man bei NORDSEE Punkte und nicht mehr Fische.

Quelle: https://www.payback.de/partner/nordsee  letzter Abruf 08.08.2018

Respekt und Glückwunsch an die Theresienhöhe für diesen Coup, schien doch nach der Ausschreibung und dem im vergangenen Jahr erfolgten Zuschlag für das Konzept des eigenen Fish&Friends-Clubs sowie für die Partner Qnips (für App + Programm) und solarisBank (für die Guthabenfunktion) der Zug für ein Multi-Partner-Programm schon abgefahren. Nun muss sich zeigen, welche Vermarktungskraft die neue PAYBACK-Partnerschaft bei den schon gebundenen Teilnehmern auslöst und ob sich in der Klientel genügend neue PAYBACK-Teilnehmer finden lassen. Nur im Fall einer solchen Neuanmeldung würde dann NORDSEE über ähnlich detaillierte Daten wie bei einem Kunden verfügen, der als Teilnehmer des eigenen Kundenclubs zu gewinnen war.

Die Geschäftsführung von NORDSEE muss sich dagegen schon fragen lassen, ob sie ihre Klientel komplett falsch eingeschätzt hat? Oder ob sie auf eine ganz andere, neue Klientel gezielt hat, die sich nicht so schnell als Teilnehmer im Kundenclub eingestellt hat? Oder ob ihr schlicht aufgrund extrem ambitionierter eigener Zielvorgaben der lange Atem gefehlt hat, diesen interessanten und kreativen Ansatz im Fish&Friends-Umfeld weiter zu verfolgen?

Rein unter dem CRM-Blickwinkel ist jedenfalls die Einstellung eines komplett neuen Kundenclubs nach nur 11 Monaten ein absolutes No-Go!

Und was hätte eigentlich gegen ein – zumindest für eine gewisse Zeit praktiziertes – Nebeneinander gesprochen? PAYBACK-Teilnehmer als zusätzliche Kunden- bzw. Gäste-Klientel gewinnen und erstmal die gerade aktiv gewordenen Club-Mitglieder ihr Club-Feeling  ausleben und sich als echte „Fish-Friends“ fühlen lassen, bevor sich dann irgendwann – auf freiwilliger Basis – die Frage einer Vereinheitlichung stellen würde. So bleibt diesen jetzt nur noch „Fish ohne Friends“!

Zur Ehrenrettung der Partner (Qnips, solarisBank) sei noch angemerkt, dass diese weiter an Bord bleiben, da die App mit ihren vielfältigen Funktionen (nur ohne Fish&Friends) fortbesteht und auch die Guthabenfunktion integriert bleibt.

Beide Partner sind auch bei BackWerk und deren Umwidmung einer Papier-Stempelkarte zu einer digitalen Stempelkarte (Meine BackWerk Karte) in Verbindung mit einer Prepaidfunktion engagiert.  

Details dazu auch in unserer Markt-Studie zu den Kundenbindungsprogrammen im deutschen Handel.

Bleibt zu hoffen, dass die neue BackWerk-Mutter Valora mehr Stehvermögen und Durchhaltewillen für das seit Juni 2017 praktizierte Kundenbindungsprogramm zeigt.

Quelle: https://www.back-werk.de/kundenkarte/ letzer Abruf 08.08.2018

Dazu auch LZ vom 03.08.2018, Seite 35

Nordsee-PAYBACK.png
Mehr  zu  den  Loyalty Programmen
des Handels finden Sie in unserer
Markt-Studie und Markt-Datenbank "Kundenbindungsprogramme im deutschen Handel". 
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